Was man am Donnerstag Abend in einem Konferenzraum im Dresdener Rathaus zu sehen bekam, erklärt so Einiges. Da gab sich ein illustrer Reigen aus Nichtigkeiten ein Stell- Dich- Ein zum Thema “CSD 2008″. Feststellungen wurden angestellt, was 2007 gut angekommen sei und somit wiederholt werden könnte, worauf man jedoch zu dem Schluss kam, dass das so gut wie nichts gewesen sei.
So fiel beispielsweise die Beteiligung am schwul- lesbischen Stadtrundgang auf genau drei Personen, die Stadtführerin übirgens bereits mitgezählt. Zum schwul- lesbischen Kinoabend, genauer bezogen auf den schwulen Filmbeitrag, belief sich die Zuschauerzahl ebenso in statistischer Punktlandung auf drei vereinsamte Seelen, die scheinbar den Anschluss zum sonstigen Nachtleben Dresdens verpasst hatten.
Das sind doch mal Zahlen… aber woher kommt so etwas? Meist von innen und da wäre man auch schon bei des Pudels Kern, der sich selbst zum eigentlichen Problem mausert – nämlich der Planung und Organisation des CSD höchstselbst. Da wird dem Einen aus Gründen der Hierarchie während der Versammlung über den Mund gefahren, einem Anderen aus Eitelkeit schon fast gar nicht mehr zugehört, widerum zankt sich ein blonder, bebrillter Transgender, mittig sitzend, mit einem übereifrigen Parteiler lautstark über ein Programmheft, dass überdies hinaus jeglicher Aktualität trotzt und aus einer anderen Ecke des Raumes tönt ständig mit niederländischem Akzent der Satz “Konzept, ich habe ein Konzept!”, worauf der Rest der Versammlung geistig und stimmungstechnisch noch gar nicht eingestellt ist.
Lieber wurde über die mögliche Eventualität einer Ausstellung zum Thema “100 Jahre schwul- lesbisches Dresden” philosophiert, aber nichts Konkreteres angegangen. So verhielt man sich auch in den Sparten “Sponsoring” und “Schirmherrschaft CSD 2008″, in denen mehr gegähnt, als eigentlich gesagt wurde.
So ziemlich der Höhepunkt der glanzvollen Zusammenkunft war die Darlegung interner Hahnenkämpfe. So fühle sich die Projektgruppe vom Vorstand in Sachen Beschlussfindung übergangen, in Angelegenheiten der Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit regelrecht in die Ecke gestellt – passend dazu übrigens das Motto des CSD 2008 “Einheit in Verschiedenheit – selbstverständlich tolerant?!”
An dieser Stelle bekommt der 2008er Leitspruch der Schwulen- und Lesben- Demo nicht nur gesprochenen, sondern auch gelebten Charakter.
Man hat über vieles an diesem Abend geredet, aber über nichts wichtiges… oh doch… der Abend brachte den bedeutungsschwangeren Beschluss, dass der CSD- Umzug künftig eine Stunde früher beginnen solle.
Fazit der Versammlung: Der Platz vor der Frauenkirche sei für die CSD- Kundgebung ungeeignet, zumal man dort vorher erst Gummimatten auslegen müsse – amüsante Vorstellung, wie jeder seine eigene Isomatte zur Kostenbegrenzung mitbrächte – und dass es in Dresden mal ein Theaterstück namens “Penismonologe” gegeben haben soll.
So ist es offensichtlich das zwischen Ist- und Sollzustand der hiesigen CSD- Planung noch Welten liegen… man wird sehen, oder eben auch nicht!